Systemische Tanztherapie

… arbeitet wie jede Tanztherapie mit typisch tanztherapeutischen Methoden und Techniken wie beispielsweise Authentische Bewegung, Chace-Technik oder gezielten Bewegungsaufgaben zu Musik. Ebenso benutzt sie die Möglichkeiten der Bewegungs-analyse nach Laban und Kestenberg, um u.a. Informationen über Weltaneignungs- und Beziehungsgestaltungsmöglichkeiten von Menschen zu bekommen.
(Siehe hierzu auch „Einzelsitzungen Tanztherapie“ !)

Darüber hinaus fühlt sich die Systemische Tanztherapie dem systemischen Denken und Handeln und der systemischen Sicht des Menschen als nicht isolierbares Teil-Wesen eines größeren Netzwerkes verbunden.
So bilden parallel zu den tanztherapeutischen Interventionen Grundannahmen und Herangehensweisen der systemischen (Familien-) Therapie die Grundlage des therapeutischen Prozesses.
Einige wichtige Haltungen und Techniken der systemischen Therapie möchte ich hier benennen :

  • die Realität eines Menschen ist zu einem erheblichen Teil subjektiv und wird ständig von ihm neu-erschaffen; dieses Realität-Erschaffen ist in der Regel geprägt von der ganz persönlichen Konditionierung, aus welcher später Konzepte und Glaubenssätze entstehen, wie die Welt ist, daraus wiederum entstehen Verhaltensmuster
  • bei der Entstehung dieser Glaubenssätze und Verhaltensmuster spielt dieHerkunftsfamilie eine wichtige Rolle; häufig werden Strategien und Muster aus der Herkunftsfamilie übernommen und automatisch auch mit anderen Menschen/ in anderen Gruppen benutzt (System-Wirksamkeit)
  • als TherapeutIn handle, interveniere und frage ich stets so, dass mehr Möglichkeiten entstehen
  • und: als TherapeutIn denke und handle ich vor allem Ressourcen-orientiert, weniger Problem-orientiert; eine klassische Diagnose spielt eine untergeordnete Rolle
  • dem liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass ein „Problem“ oder auch eine „Krankheit“ nur ein/e solch/e ist, wenn wir sie so definieren und benennen
  • als systemischer Therapeut beschreibe ich eher eine ganz bestimmte Verhaltensweise so wie sie ist, als sie „Krankheit“, „pathologisches Verhalten“ oder „Problem“ zu nennen
  • und bleibe unterschiedlichen Verhaltensweisen oder Sichtweisen gegenüber in einer neutralen Haltung; ich orientiere mich an dem was ist;
  • hier spielen UMDEUTUNGEN, das Neu-Konnotieren von Zuständen, Sichtweisen, Verhalten etc. eine wichtige Rolle
  • sowie bestimmte Arten zu fragen, wie z.B. das ZIRKULÄRE FRAGEN helfen, Zusammenhänge ans Licht zu bringen und neue Möglichkeiten zu erkennen
  • Handlungsvorschläge, Rituale oder paradoxe Verschreibungen unterstützen, neue Verhaltensweisen in der Realität auszuprobieren
  • was die Würde und die Grundrechte des Menschen angeht, folge ich aber sehr wohl einer klaren Wertevorstellung und bin eindeutig nicht neutral
  • (daraus ergibt sich: ) Respektlosigkeit gegenüber Konzepten, Respekt gegenüber Menschen
  • in der Therapie wird nur an dem gearbeitet, was der Klient bearbeiten möchte; dies wird zu Beginn des Therapie-Prozesses in einer Auftragsklärung mit dem Klienten vereinbart und kann immer wieder aktualisiert werden
  • es kann durchaus sinnvoll sein, sich für die Therapiesitzungen auch in größeren Abständen von mehreren Wochen zu treffen
  • als systemischer Therapeut sehe ich den Menschen sowohl in seiner Vernetztheit und damit Abhängigkeit von Systemen, als auch in seiner persönlichen Verantwortung

Quellen:  von Schlippe/ Schweitzer : Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung
                 S. Bender : Systemische Tanztherapie (unveröffentlichtes Manuskript)